Der Exit: Bernanke öffnet die Tür und macht den ersten Schritt
Bereits im Herbst 2008, als die Zinsen zur Stützung von Banken und Wirtschaft massiv gesenkt wurden, haben Notenbanker darauf hingewiesen, dass es auf absehbare Zeit auch wieder einen „Exit“ aus dem billigen Geld geben sollte. Auch war damals schon klar, dass der Ausstieg viel schwieriger wird als der Einstieg war.
Damals gab es aber noch die Möglichkeit eines glücklichen Szenarios, zumindest gab es keine Gründe ein glückliches Szenario komplett auszuschließen. Es wäre wirklich ein „Soft Landing“, wenn die Welt mit billigem Geld geflutet wird, die Banken gerettet werden, die Wirtschaft schnell wieder anzieht, und in einer Phase des autarken Wirtschaftswachstums das billige Geld wieder aus dem Markt zurückgezogen werden kann, ohne dass hierdurch das Wirtschaftswachstum zunichte gemacht würde.
Wie Sie wissen, waren wir nie der Meinung, dass dieses optimale Szenario sehr wahrscheinlich sei. Heute kann und muss man dieses Wunschszenario leider ausschließen. Das Bankensystem ist gesichert, jedoch sind nicht alle Banken gerettet. Viele Banken (Fannie Mae, Freddie Mac, Royal Bank of Scotland, Hypo Real Estate, BayernLB und einige Banken mehr) waren bereits klinisch tot und werden im Moment vom Staat künstlich am Leben gehalten, mit der vagen Hoffnung, dass diese Banken irgendwann wieder selbständig lebensfähig werden sein. In den Banken des Westens, aber sicher auch in den Banken des Ostens schlummern Risiken, die teilweise nicht transparent sind. Wirkliche Stresstests mit der Annahme mittelfristiger negativer Entwicklungen an den Kapitalmärkten sind in keinem Land gemacht worden (auch die Stresstests in den USA waren nur kurzfristig und halbherzig).
In der Industrie und im Konsum haben viele Unternehmen betriebswirtschaftlich betrachtet bei weitem noch nicht ihr Vorkrisen-Niveau erreicht.
Glücklicherweise wächst fast überall die Wirtschaft wieder, mehr oder weniger. Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Wirtschaftswachstum sogar mit den Stützungsmaßnahmen vorerst niedrig bleibt. Ohne die Konjunkturprogramme und die extrem niedrigen Zinsen würde die wirtschaftliche Entwicklung viel negativer ausfallen. Die Arbeitslosigkeit steigt und die Staatshaushalte sind vielerorts in marodem Zustand.
Alles in allem ist die Situation sicherlich nicht so, dass eine schnelle und perfekte Erholung gegeben ist. Im Gegenteil, es ist heute völlig offen, welche wirtschaftliche Entwicklung uns bevorsteht. Oder wie die Amerikaner sagen: „We’re not out of the woods yet“. Vor diesem Hintergrund wird kaum ein Notenbanker die Zinsen mit Begeisterung anheben wollen. Trotzdem werden im Moment die ersten Anfänge einer Zinsanhebung in die Wege geleitet.
Warum? Weil es nicht anders geht.
Denn, stellen Sie sich vor, was im letzten Jahr passiert ist. Die Wirtschaft hängt am Tropf der staatlichen Förderprogramme. Die Staatshaushalte haben keine Reserven mehr und bewegen sich in eine schwierige Zukunft. Gleichzeitig steigen weltweit die Preise von Aktien, Renten, Rohstoffe und Energie. In China stiegen sogar die Preise von Immobilien massiv an, obwohl mittlerweile enorme Leerstände der Immobilien gegeben sind. Alles fast zum Nulltarif finanziert.
Wir sind alle aufgewachsen mit dem Verständnis, dass Inflation sich beim Brot und bei der Kleidung bemerkbar macht. Es gibt aber auch eine andere Sicht auf Inflation. Vor kurzem haben wir eine massive Form von Inflation in den USA gesehen, nämlich bei den Häuserpreisen, die sich in wenigen Jahren im Preis verdoppelten. Was sich in erster Linie wie eine positive wirtschaftliche Entwicklung anhört, bedeutete in Wirklichkeit nichts anderes, als dass ich für das gleiche Geld ein paar Jahre später nur noch ein halbes Haus bekam. Das Geld war plötzlich viel weniger wert. Als klar wurde, dass der Preisanstieg nicht durch Produktivität, sondern durch zu billigen und zu großzügigen Kredit verursacht war, kam der Crash.
Genau das Gleiche hat sich im letzten Jahr an anderer Stelle wiederholt. Aktien wurden enormen Kurs-Gewinn-Verhältnissen gekauft. Rohstoffe und Energie wurden zu enormen Preisen gekauft. Dabei befand und befindet sich die Weltwirtschaft in einem Abschwung, der nur durch kurzfristigen weiteren Kredit kaschiert wird. Eine ähnliche Form der Inflation.
Mittlerweile haben die Notenbanken weltweit durchklingen lassen, dass sie die Gefahren von Blasen sehen, und dass die aktuellen Blasen durch den billigen Kredit verursacht sein könnten. In diesem Zusammenhang sind Blasen ein anderes Wort für lokale Hyperinflation, die in einem lokalen Crash enden könnte.
Die Staaten haben nicht die Produktivität um weiterhin größere Kredit- und Förderprogramme am Leben zu halten. Im Gegenteil, je länger die künstliche „Zusatzwirtschaft“ am Leben gehalten wird, desto größer werden die Finanzierungsprobleme der Staaten und desto größer wird die Crashgefahr wenn der unvermeidliche Ausstieg dann kommt.
Die Notenbanker befinden sich also in der Zwickmühle. Einerseits ist die Wirtschaft noch nicht bereit für einen echten Exit, andererseits macht jeder Tag der Verschleppung des Exits das Problem hinterher umso größer.
Folglich ist in allen Ländern eine Diskussion innerhalb der Notenbanken entbrannt. Die meisten Länder haben notgedrungen erste Maßnahmen getroffen. Die Fed hebt den Diskontsatz an. In China wurde den größten Banken zeitweise die Kreditvergabe komplett untersagt. Eine Aufwertung der chinesischen Währung ist unausweichlich. Notenbank-Programme zum Aufkaufen von Anleihen (um hierdurch den Zinssatz niedrig zu halten) wurden gestoppt.
Teilweise kamen diese Maßnahmen schneller als in den letzten Wochen aufgrund früherer Aussagen von Notenbankern erwartet war . Allerdings ist es noch unklar und damit offen, ob diese Maßnahmen ein Auftakt sind für einen echten Exit mit einem entsprechenden Zinsanstieg. Es könnte auch sein, dass versucht wird, mit diesen ersten Maßnahmen die Hardliner zu besänftigen und Zeit zu gewinnen, bis der echte Exit in die Wege geleitet wird. Die Zeiten bleiben spannend.
Was bedeutet das für unsere Anlagestrategie?
Diese monetäre Entwicklung ist nicht unerwartet. Wir haben immer davor gewarnt und sie ist ein wichtiger Grund dafür, dass wir im letzten Jahr Aktien und Renten gemieden haben.
Wir werden weiterhin die „long-only“-Risiken von Aktien und Renten meiden. Beide Portfolios (Konservativ und Dynamisch) sind weiterhin nicht auf eine einzige Marktentwicklung ausgerichtet. Wir haben eine weitere Strategie-Diversifikation innerhalb der Portfolios vorgenommen, sodass wir nicht von einer bestimmten Marktrichtung abhängig sind. Ebenso haben wir eine weitere Strategie-Diversifikation vorgenommen, um eine Abhängigkeit von verwertbaren Trends bei den Managed Futures Strategien zu reduzieren.
Das bedeutet aber nicht, dass hierdurch das Renditepotenzial gesenkt wurde. Im Gegenteil, das dynamische Portfolio wurde sogar noch etwas aggressiver ausgerichtet. Im Moment ist der Markt uneinheitlich und unentschlossen. Es könnte sein, dass sich in absehbarer Zeit eine Marktentwicklung herauskristallisiert. Wir sollten in der Lage sein, davon zu profitieren.
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